Das Deutsche Rote Kreuz übernimmt die Flüchtlingsunterkunft der Bergstadt

NW (Neue Westfälische) 29.01.2017
Das Deutsche Rote Kreuz übernimmt die Flüchtlingsunterkunft der Bergstadt

von Gunter Held, Oerlinghausen
Die ehemalige Hellwegklinik wird ab dem 1. Februar vom Deutschen Roten Kreuz betrieben. Das Gebäude muss besenrein übergeben werden.

Oerlinghausen. So richtig anheimelnd sah die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Hellwegklinik noch nie aus. Ein hoher Zaun rund um das Gelände, um die Bewohner zu schützen, wie es bei der Errichtung hieß. Schmutzige Fassade, die nur im Bereich des Haupteingangs einigermaßen gepflegt aussieht. Doch jetzt ist es noch schlimmer. Die Fenster gleichen schwarzen Löchern, die alles Licht verschlucken.
Ab und an sieht man, wie Mitarbeiter der „Zentralen Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge des Landes NRW“ Sachen aus dem Gebäude räumen und in Autos verstauen. Das ist auch schon Oerlinghausern aufgefallen. „Da wird ja alles rausgeräumt, die Kleiderkammer, die Bibliothek . . .“, sagen sie kopfschüttelnd. Genau so ist es – beinahe. Alles muss raus. Das Deutsche Rote Kreuz, dass die Einrichtung am 1. Februar von den Johannitern übernimmt, will nur ein besenreines Gebäude übernehmen. Allerdings wird die Kleiderkammer, die von vielen ehrenamtlich tätigen Oerlinghausern aufgebaut worden ist, wohl vom DRK übernommen. Begründet ist der Wechsel, weil die Bezirksregierung Arnsberg. Die musste turnusgemäß die Betreuung der Landesunterkünfte europaweit ausschreiben. Ausgewählt wurde schwerpunktmäßig nach Qualität des Konzeptes – die mit 60 Prozent in die Bewertung einging und den finanziellen Aspekten, die 40 Prozent ausmachten.
Die Bezirksregierung wird den neuen Betreiber kontrollieren
Unsicherheit herrscht bei den Mitarbeitern, die bisher die Flüchtlinge in der ehemaligen Hellwegklinik betreut haben. Im Gespräch mit der Neuen Westfälischen sagte eine Mitarbeiterin, die ungenannt bleiben möchte: „Wir haben ein gut durchstrukturiertes Konzept gehabt, in das sich auch viele Ehrenamtliche eingebracht haben. Alle 14 Tage gab es ein Kaffeetrinken in und ausgerichtet von der Kirchengemeinde Helpup. Wir haben Deutschkurse für Kinder veranstaltet und bei allen Flüchtlingen, bis auf wenige Ausnahmen gesehen, dass der Wunsch nach Integration sehr groß war. Auch das Projekt des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) „Erstorientierung und Wertevermittlung“, das von September 2016 bis Anfang Januar 2017 lief, ist gut angenommen worden. 500 Menschen wollen eben auch eine Tagesstruktur haben.“
Die Mitarbeiter beklagen, dass die Johanniter dem DRK keine Betriebsübernahme angeboten hätten. Dann hätte die Arbeitnehmervertretung auch anders reagieren können. Eine Bestätigung dieses Fakts war gestern weder von den Johannitern noch vom DRK zu bekommen. Meike Delang, Pressesprecherin der Johanniter bestätigte, dass die Kleiderkammer vom DRK übernommen wird. Ein Großteil der Mitarbeiter habe befristete Verträge gehabt, die jetzt auslaufen. Wer einen unbefristeten Vertrag habe, werde bei den Johannitern bleiben.
Auf Anfrage erklärt Andreas Moseke aus der Presseabteilung der Bezirksregierung Detmold, dass die Bezirksregierung den Aufbau der Ablauforganisation des neuen Betreibers intensiv vor Ort begleiten wird. Dazu zählt auch die Kontrolle der geltenden Standards hinsichtlich Einrichtung der Zimmer, Personalplanung und Einrichtung der Krankenstation.
Von der Ausschreibung betroffen war auch der Sicherheitsdienst. Auch da hat es einen Wechsel gegeben. Zukünftig wird die MSS Security GmbH aus Remscheid die Sicherheit gewährleisten. Die Einstellung für Küchen- und Reinigungspersonal ist laut Moseke Sache der neuen Betreiber.
Um die Unterkunft besenrein übergeben zu können, wurden die bisherigen Bewohner auf andere Flüchtlingsunterkünfte in Nordrhein-Westfalen verteilt. Moseke geht davon aus, dass erste neuen Bewohner die Zimmer in der zweiten Februarwoche beziehen können. Das werden hauptsächlich Menschen mit „geringer Bleibeperspektive“ sein. Das sind Flüchtlinge, die aus sicheren Herkunftsstaaten kommen und über deren Asylantrag in einem beschleunigten Verfahren, das nur wenige Tage dauern soll, entschieden wird.
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