Flüchtlingsunterkünfte: Quälende Quarantäne

SZ 14.07.2020

Die Zustände in manchen Unterkünften, wie hier in der Funkkaserne, sind besorgniserregend. Und die Stimmung wird schlechter.

(Foto: Robert Haas)

Hunderte Geflüchtete müssen derzeit wegen der Corona-Pandemie in überhitzten Unterkünften leben. Nur 30 Minuten dürfen sie täglich an die frische Luft, berichten Helfer.

Von Thomas Anlauf

Die Berichte, die derzeit aus Münchner Flüchtlingsunterkünften kommen, sind verstörend. Gerade in Container-Anlagen sollen tagsüber Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius herrschen. Doch die Menschen können offenbar nicht aus den Hitzekammern fliehen. Vier Gemeinschaftsunterkünfte mit 621 Bewohnern stehen nach Angaben des Münchner Gesundheitsreferats aktuell wegen Quarantäne-Maßnahmen unter strengen Ausgangsbeschränkungen.

Ehrenamtliche Helfer, Sozialpädagogen und auch Sozialverbände berichten, dass die dort untergebrachten Menschen täglich lediglich 30 Minuten an die frische Luft dürfen. Vielfach gibt es in den Unterkünften demnach nicht mal Fernseher auf den Zimmern, geschweige denn Internet, um sich wenigstens etwas ablenken zu können. „In den Blechcontainern herrscht eine unglaubliche Hitze. Besonders für die Kinder ist das unerträglich“, sagt Andrea Betz, Sprecherin der freien Wohlfahrtsverbände in München.

Corona-Ausbrüche in Flüchtlingsunterkünften

In Mehrbettzimmern lässt sich schlecht Abstand halten

Immer wieder sind Flüchtlingsheime von Corona-Ausbrüchen betroffen. In Bayern steht eine ehemalige US-Kaserne seit acht Wochen unter Quarantäne. Eine Behörde sagt: „Wir haben noch keine Lösung.“   Von Claudia Henzler und Nina von Hardenberg

Eine Betreuerin von Geflüchteten, die vor wenigen Tagen in der staatlichen Unterkunft Funkkaserne war, berichtet von einer Mutter und ihrem einjährigen Mädchen. Sie habe das Kind als „lebhaft“ kennengelernt, jetzt „war es wie versteinert, reagierte auf keinerlei Reize von außen, wirkte wie erloschen“. Ein Sozialpädagoge der Caritas, der eine dreiwöchige Quarantäne einer staatlichen Unterkunft in Trudering miterlebt hat, spricht von „extrem angespannten Bewohnern“ während der Zeit. Die Leute hätten von der Regierung von Oberbayern „irgendein Essen bekommen“. Derzeit leben in der Unterkunft an der Stolzhofstraße nach Angaben des Betreuers mehr als 140 Menschen, darunter auch Kinder. Etwa die Hälfte der Menschen müssten dort gar nicht mehr wohnen, sie könnten ausziehen und sich eine Wohnung suchen. Doch in München finden viele der Menschen, die immer noch in den Unterkünften leben, nichts, obwohl „die meisten arbeiten“.

Die Caritas hatte wie zuvor auch andere Münchner Wohlfahrtsverbände im Mai die „räumlichen, sicherheitstechnischen und hygienischen Bedingungen“ in Flüchtlingsunterkünften der Regierung von Oberbayern kritisiert, nachdem zwei junge Geflüchtete in Kliniken an den Folgen des Corona-Virus gestorben waren. Im Juni trat zudem ein Mann in Hungerstreik, um gegen die Versorgung in einer Unterkunft zu protestieren. Der mehrfache Familienvater, der auch eine behinderte Tochter hat, kritisierte die Zustände in dem Flüchtlingsheim und nähte sich sogar den Mund zu.

Mittlerweile spitzt sich die Lage in mehreren Münchner Flüchtlingsunterkünften offenbar zu. Am Montag kritisierte die Innere Mission „die derzeit gültige Umsetzung der behördlichen Regelung, wonach komplette Flüchtlingsunterkünfte unter Quarantäne gestellt werden – auch wenn nur wenige Personen in dem Gebäude positiv auf das Corona-Virus getestet sind“.

Laut Gesundheitsreferat sind münchenweit derzeit 38 Unterkunftsbewohner positiv auf Corona getestet worden, der überwiegende Teil der Menschen dort lebt dennoch abgeschottet und in Angst vor einer Ansteckung. Den Bewohnern sei derzeit lediglich erlaubt, die Sanitäranlagen zu benutzen, das Essen werde vor die Tür gestellt. Somit seien die Menschen in den Einrichtungen gezwungen, zwei Wochen lang auf engstem Raum zu verbringen. „Jeder Person stehen nur rund sieben Quadratmeter zur Verfügung“, teilt die Innere Mission mit. Für drei von vier Gemeinschaftsunterkünften, die derzeit unter Quarantäne stehen, ist die Regierung von Oberbayern zuständig.

Trotz allem Verständnis für die Pandemieauflagen müsse es für die Menschen in den Flüchtlingsunterkünften eine „würdige Unterbringung“ geben, fordert Andrea Betz, die bei der Inneren Mission für Geflüchtete, Migration und Integration zuständig ist. Seit bald eineinhalb Jahren fordern die Wohlfahrtsverbände und auch der Stadtrat, dass insbesondere die großen Gemeinschaftsunterkünfte räumlich entzerrt oder sogar aufgelöst werden müssten. Im Mai hatte das Münchner Gesundheitsreferat empfohlen, dass Bewohner von Flüchtlingsunterkünften möglichst in Einzelzimmern wohnen sollten, um eine Ansteckungsgefahr zwischen den Bewohnern zu reduzieren. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte zudem im Juni angeordnet, dass Pensionszimmer angemietet und notfalls lediglich bereitgehalten werden müssten, um die beengte Situation in den Unterkünften zu verbessern.

Die Regierung von Oberbayern betont, dass die Wohncontainer „marktüblichen Standards“ entsprechen würden. „Eine ausreichende Lüftung der einzelnen Zimmer ist durch die zu öffnenden Fenster jederzeit gewährleistet“, teilt ein Sprecher am Montag mit. Die Bewohner würden „bestmöglichst“ unterstützt. „Im Einzelfall“ würden Zimmerventilatoren zur Verfügung gestellt.

The Wall on Anti-Gypsyism

Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders – auch bekannt als Helsinki Komitee für Menschenrechte – hat neue Berichte zur Situation der Roma in den sog. Westbalkan-Staaten herausgegeben. Stephan Müller hat den Regionalbericht und die Länderberichte zu Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazadonien und Serbien Ende 2017 vorgelegt. Berichte zu Albanien und Montenegro sollen noch folgen…

http://www.civilrightsdefenders.org

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Abschiebemaschinerie außer Rand und Band

Hessen schiebt 12-jährigen Jungen alleine nach Mazedonien ab
Kindeswohl wird mit Füßen getreten
Die Abschiebung Minderjähriger ohne ihre Sorgeberechtigte*n ist zwar gesetzlich verboten – trotzdem geschieht es !
Presseerklärung des Hessischen Flüchtlingsrats
Frankfurt, den 05.02.2018


Abschiebemaschinerie außer Rand und Band

Hessen schiebt 12-jährigen Jungen alleine nach Mazedonien ab

Kindeswohl wird mit Füßen getreten

Die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB) beim Regierungspräsidium Gießen hat heute Morgen ein Kind alleine nach Mazedonien abgeschoben, obwohl die allein sorgeberechtigte Großmutter im Krankenhaus in Deutschland liegt.

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Antiromaismus als Motiv für Brandanschläge in Plauen?

Brandanschlagsserie in Plauen

Am Morgen des 5. Februar starben in Plauen zwei Personen beim Brand eines Wohnhauses. Ein Mann und eine Frau, deutsche Staatsangehörige. Vier weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Betroffen war die Dachgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses in der Dürerstraße. Die Menschen in den darunterliegenden Wohnungen konnten sich retten. In dem Haus in der Dürerstraße waren 6 deutsche Staatsangehörige gemeldet und 30 Personen mit anderen Staatsangehörigkeiten. Zum Zeitpunkt des Brandes hielten sich nach Aussagen eines Ersthelfers womöglich noch mehr Leute in dem Haus auf. Viele der BewohnerInnen waren erst seit kurzem in das Haus gezogen. Und zwar deshalb, weil ihr voriges Wohnhaus, wenige Straßen weiter in der Trockentalstraße, kurz zuvor, am 29. Dezember 2017, ebenfalls durch einen Brand unbewohnbar geworden war. Schon zuvor hatte es dort laut dem Verein Romano Sumnal Brände gegegeben. In der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember wurden von den mindestens 40 BewohnerInnen 19 verletzt, darunter 8 Kinder. Mit schweren Brandverletzungen wurden eine schwangere 29-jährige Frau und ihr zweijähriger Sohn sowie ein fünfjähriges Kind und eine 39-jährige Frau in eine Spezialklinik eingeliefert. Bei den BewohnerInnen handelte es sich vor allem um Roma aus der Slowakei und aus Rumänien.

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proteste gegen abschiebelager (update)

[EN] We are refugees, not prisoners! Bamberg AEO camp demonstration 17th JAN 2018

14. Juli 2020, 7:17 Uhr

Flüchtlingsunterkünfte: Quälende Quarantäne

Die Zustände in manchen Unterkünften, wie hier in der Funkkaserne, sind besorgniserregend. Und die Stimmung wird schlechter.

(Foto: Robert Haas)

Hunderte Geflüchtete müssen derzeit wegen der Corona-Pandemie in überhitzten Unterkünften leben. Nur 30 Minuten dürfen sie täglich an die frische Luft, berichten Helfer.

Von Thomas Anlauf

Die Berichte, die derzeit aus Münchner Flüchtlingsunterkünften kommen, sind verstörend. Gerade in Container-Anlagen sollen tagsüber Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius herrschen. Doch die Menschen können offenbar nicht aus den Hitzekammern fliehen. Vier Gemeinschaftsunterkünfte mit 621 Bewohnern stehen nach Angaben des Münchner Gesundheitsreferats aktuell wegen Quarantäne-Maßnahmen unter strengen Ausgangsbeschränkungen.

Ehrenamtliche Helfer, Sozialpädagogen und auch Sozialverbände berichten, dass die dort untergebrachten Menschen täglich lediglich 30 Minuten an die frische Luft dürfen. Vielfach gibt es in den Unterkünften demnach nicht mal Fernseher auf den Zimmern, geschweige denn Internet, um sich wenigstens etwas ablenken zu können. „In den Blechcontainern herrscht eine unglaubliche Hitze. Besonders für die Kinder ist das unerträglich“, sagt Andrea Betz, Sprecherin der freien Wohlfahrtsverbände in München.

Corona-Ausbrüche in Flüchtlingsunterkünften

In Mehrbettzimmern lässt sich schlecht Abstand halten

Immer wieder sind Flüchtlingsheime von Corona-Ausbrüchen betroffen. In Bayern steht eine ehemalige US-Kaserne seit acht Wochen unter Quarantäne. Eine Behörde sagt: „Wir haben noch keine Lösung.“   Von Claudia Henzler und Nina von Hardenberg

Eine Betreuerin von Geflüchteten, die vor wenigen Tagen in der staatlichen Unterkunft Funkkaserne war, berichtet von einer Mutter und ihrem einjährigen Mädchen. Sie habe das Kind als „lebhaft“ kennengelernt, jetzt „war es wie versteinert, reagierte auf keinerlei Reize von außen, wirkte wie erloschen“. Ein Sozialpädagoge der Caritas, der eine dreiwöchige Quarantäne einer staatlichen Unterkunft in Trudering miterlebt hat, spricht von „extrem angespannten Bewohnern“ während der Zeit. Die Leute hätten von der Regierung von Oberbayern „irgendein Essen bekommen“. Derzeit leben in der Unterkunft an der Stolzhofstraße nach Angaben des Betreuers mehr als 140 Menschen, darunter auch Kinder. Etwa die Hälfte der Menschen müssten dort gar nicht mehr wohnen, sie könnten ausziehen und sich eine Wohnung suchen. Doch in München finden viele der Menschen, die immer noch in den Unterkünften leben, nichts, obwohl „die meisten arbeiten“.

Die Caritas hatte wie zuvor auch andere Münchner Wohlfahrtsverbände im Mai die „räumlichen, sicherheitstechnischen und hygienischen Bedingungen“ in Flüchtlingsunterkünften der Regierung von Oberbayern kritisiert, nachdem zwei junge Geflüchtete in Kliniken an den Folgen des Corona-Virus gestorben waren. Im Juni trat zudem ein Mann in Hungerstreik, um gegen die Versorgung in einer Unterkunft zu protestieren. Der mehrfache Familienvater, der auch eine behinderte Tochter hat, kritisierte die Zustände in dem Flüchtlingsheim und nähte sich sogar den Mund zu.

Mittlerweile spitzt sich die Lage in mehreren Münchner Flüchtlingsunterkünften offenbar zu. Am Montag kritisierte die Innere Mission „die derzeit gültige Umsetzung der behördlichen Regelung, wonach komplette Flüchtlingsunterkünfte unter Quarantäne gestellt werden – auch wenn nur wenige Personen in dem Gebäude positiv auf das Corona-Virus getestet sind“.

Laut Gesundheitsreferat sind münchenweit derzeit 38 Unterkunftsbewohner positiv auf Corona getestet worden, der überwiegende Teil der Menschen dort lebt dennoch abgeschottet und in Angst vor einer Ansteckung. Den Bewohnern sei derzeit lediglich erlaubt, die Sanitäranlagen zu benutzen, das Essen werde vor die Tür gestellt. Somit seien die Menschen in den Einrichtungen gezwungen, zwei Wochen lang auf engstem Raum zu verbringen. „Jeder Person stehen nur rund sieben Quadratmeter zur Verfügung“, teilt die Innere Mission mit. Für drei von vier Gemeinschaftsunterkünften, die derzeit unter Quarantäne stehen, ist die Regierung von Oberbayern zuständig.

Trotz allem Verständnis für die Pandemieauflagen müsse es für die Menschen in den Flüchtlingsunterkünften eine „würdige Unterbringung“ geben, fordert Andrea Betz, die bei der Inneren Mission für Geflüchtete, Migration und Integration zuständig ist. Seit bald eineinhalb Jahren fordern die Wohlfahrtsverbände und auch der Stadtrat, dass insbesondere die großen Gemeinschaftsunterkünfte räumlich entzerrt oder sogar aufgelöst werden müssten. Im Mai hatte das Münchner Gesundheitsreferat empfohlen, dass Bewohner von Flüchtlingsunterkünften möglichst in Einzelzimmern wohnen sollten, um eine Ansteckungsgefahr zwischen den Bewohnern zu reduzieren. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte zudem im Juni angeordnet, dass Pensionszimmer angemietet und notfalls lediglich bereitgehalten werden müssten, um die beengte Situation in den Unterkünften zu verbessern.

Die Regierung von Oberbayern betont, dass die Wohncontainer „marktüblichen Standards“ entsprechen würden. „Eine ausreichende Lüftung der einzelnen Zimmer ist durch die zu öffnenden Fenster jederzeit gewährleistet“, teilt ein Sprecher am Montag mit. Die Bewohner würden „bestmöglichst“ unterstützt. „Im Einzelfall“ würden Zimmerventilatoren zur Verfügung gestellt.

von der willkommenskultur zur kultur der ausgrenzung

Von der Willkommenskultur zur Kultur der Ausgrenzung  unerwünschter Geflüchteter

Helfer*innenvereine als Kompliz*innen von Rom*nija-Abschiebungen?

Der folgende Beitrag entstand auf dem Hintergrund der Deportation einer Rom*nija-Familie aus dem Münsterland am 13. Dezember 17 in das Kosovo (wir berichteten darüber). Er versteht sich als Diskussionsangebot, in dem versucht wird, der Frage nach der Einbindung links-alternativer Kreise der Flüchtlingshilfe in die staatlich verordnete Segregationspolitik auf den Grund zu gehen

Im Fall der Mitte Dezember, trotz eines laufenden Petitionsverfahrens, nach Kosovo abgeschobenen Rom*nija-Familie B. aus Drensteinfurt/Kreis Warendorf im Münsterland (wir berichteten darüber) war der Petitionsausschuss bereits im November oder Anfang Dezember von der ABH darüber informiert worden, dass der Ausgang der Petition nicht abgewartet, sondern abgeschoben wird, sobald die Vorbereitungen dazu abgeschlossen wurden. Die grüne Berichterstatterin in dieser Petition hat daraufhin nicht mich als Petentin gewarnt, sondern nur mit dem örtlichen Helfer*innenkreis gesprochen. Von dort war (mir gegenüber) die Familie als Lügner und Kriminelle stigmatisiert worden, die sich gegenüber den Helfer*innen z.B. bei der Ausgabe von Sachspenden nicht als dankbar erwiesen, sondern im Gegenteil „wie Chefs aufführen“ würden. Erst nach der vollzogenen Abschiebung, durch die der älteste, zufällig nicht angetroffene 17-jährige Sohn von seinen Eltern und Geschwistern rechtswidrig getrennt wurde, informierte mich eine wiss. Mitarbeiterin im Petitionsausschuss über die Gründe u.a. wie folgt:

„…Ich muss leider aus aktuellem Anlass noch anfügen, dass sich die Flüchtlingshilfe vor Ort nicht für einen Verbleib der Familie ausgesprochen hat, da sie durch ihr u.a. auch kriminelles Verhalten für die Flüchtlingsarbeit in vielfacher Hinsicht eine Belastung war, gegenüber anderen Familien, die sich stetig um Integration bemühen und ebenfalls um ihren Aufenthalt bangen. Das…wurde uns aber von verschiedenen Seiten zugetragen. Die engagierten Flüchtlingshelfer vor Ort haben uns bereits signalisiert, dass sie sich in diesem Fall nicht engagieren möchten…“

Der Petitonsausschuss sollte sich dieser „Bewertung“ der Familie anschließen: Weiterlesen

ba.-wü.: innenminister lehnt ersuchen der hfk für romafamilie ab

Mitteilung über drohende Abschiebung der Roma-Familie S. aus Stuttgart: Die folgende Nachricht und Petition wurde über change.org verbreitet. Zur Mitunterzeichnung der Petition bitte auf die Seite von change.org gehen:

„Kurz vor Weihnachten lehnte Innenminister Strobl den Härtefallantrag für die serbische Familie Stojanovic ab, obwohl die baden-württembergische Härtefallkommission die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis wegen guter Integration der Familie befürwortete.

Dies macht uns fassungslos und empört!

Jetzt droht dieser Stuttgarter Familie die Abschiebung. Dies können und wollen wir nicht akzeptieren! Es kann nicht sein, dass jetzt auch Menschen, die beste Integrationsleistungen vorweisen können, keine Chance mehr über einen Härtefallantrag haben – nur weil sich der Innenminister mit rücksichtsloser Aufenthaltsbeendigungspolitik profilieren will. Dies steht in krassem Gegensatz zu Äußerungen wie: „Es kann doch nicht sein, dass wir Menschen zurückschicken, die von unseren Handwerkern und Betrieben dringend benötigt werden“ (Winfried Kretschmann).

Als Roma drohen den Stojanovics in ihrem „sicheren Herkunftsland“ Serbien dauerhaftes soziales Elend und rassistische Diskriminierung. In Deutschland hätten sie die Chance auf ein würdiges und eigenständiges Leben.

Wir fordern mit unserer Petition:

  • Dauerhaftes Bleiberecht für die Familie Stojanovic!
  • Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach § 25a Aufenthaltsgesetz, weil die Familie seit  über vier Jahren in Deutschland lebt und alle Voraussetzungen dieses Gesetzes erfüllt!
  • Roma vor Diskriminierung schützen statt abschieben!

Viele Grüße,
Katharina Künstler & Erstunterzeichner/-innen“

neues zur abschiebung der romafamilie b. aus kreis warendorf

Die Abschiebung der Familie B. mit 4 schulpflichtigen Kindern – davon 2 in Deutschland geborenen – aus Kreis Warendorf Mitte Dezember 2017 hat trotz ausbleibender Solidarität vor Ort (lesen Sie dazu hier weiter unten die Weihnachtsbotschaft 2017) ein beachtliches Echo hervorgerufen.

So schrieb der Abgeordnete des Europäischen Parlaments und Mitglied des Innenausschusses Prof.Dr. Dietmar Köster an den für die Abschiebung der Familie verantwortlichen Landrat Dr. Gericke einen offenen Brief, nachdem er über die erfolgte Abschiebung  u.a. vom Zentralrat deutscher Sinti und Roma erfahren hatte.

Den offenen Brief lesen Sie bitte hier:Schreiben Landrat Warendorf Abschiebung Bardosana 15.01.18-1

Die Gründe, warum die Abschiebung rückgängig gemacht und die getrennte Familie wieder in Deutschland zusammengeführt werden muss, sind hier zusammengefasst: Weiterlesen

proteste gegen abschiebelager

Presseerklärung Bamberg Refugees, 15.1.2018:

Demonstration, Mittwoch, 17. Januar 2018, 12:00 Uhr AEO Bamberg
(Erlenweg 4, 96050 Bamberg)

Stellungnahme:

Gegen die Unmenschlichkeit! Stoppt das Lagersystem! Wir sind Geflüchtete, keine Gefangene! Against inhumanity! Stop the camp system! We´re refugees, not prisoners!

Wir sind Geflüchtete aus verschiedenen Ländern, die alle vor den gleichen Problemen stehen:  Wir leben in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO), dem Lager von Bamberg. Wir haben nach Sicherheit und einem Leben in Frieden gesucht. Aber was wir hier erleben ist kein Leben. Deshalb stehen wir auf und wehren uns –  gegen die Unmenschlichkeit und die Schikanen des Bamberger Lagersystems. Am Mittwoch den 17.01.2018 gehen wir raus und tragen unseren Forderungen auf die Straße. Unsere Forderung nach einem Leben in Würde. Wir rufen alle Geflüchteten in der AEO Bamberg, ebenso wie alle Unterstützer*innen, Helferkreise und Organisationen auf, sich dieser friedlichen Demonstration am Mittwoch, 17.01.2018, 12:00 Uhr, AEO Bamberg, (Erlenweg 4, 96050 Bamberg) anzuschliessen.

Unsere Situation ist folgende: Wir kommen traumatisiert Weiterlesen

Weihnachtsbotschaft 2017

Die komplette FFM-Weihnachtsbotschaft hier als Pdf-Datei


Weihnachtsbotschaft der FFM am 24.12.2017

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freund*innen und Kolleg*innen,
Erinnern Sie sich: Es war 11 Tage vor Weihnachten, dass die Eltern mit 4 Kindern zwischen 10 und 15 Jahren der Roma-Familie B. aus Drensteinfurt (Kreis Warendorf/Münsterland) frühmorgens aus den Betten gerissen und zum Flughafen Düsseldorf verbracht wurden, um von dort nach Prishtina/Kosovo abgeschoben zu werden¹

Die Abschiebung geschah trotz einer nicht abgeschlossenen Petition beim Landtag NRW, über die mir ein möglicherweise schon im Januar 2018 bevorstehender Erörterungstermin angekündigt worden war.

Ergänzungen zur Fluchtgeschichte:

Die Familie war 2004 aus dem Kosovo mit 3 Kindern nach Deutschland geflüchtet. Herr B. war bereits als Jugendlicher in Deutschland gewesen und wurde mit seinen Eltern noch während des Bügerkriegs im Kosovo Ende der 90er Jahre abgeschoben. Frau B. hatte bereits als Kind zu Anfang der 90er Jahre den gewaltsamen Tod ihres Vaters, der vermutlich von Serben umgebracht wurde, miterleben müssen. Nach dem Ende des Kosovokriegs und dem Abzug der Serben wurden die Roma als Sündenbock für die Kriegsverbrechen von allen Seiten ausgegrenzt, mit Hass überzogen und verfolgt. In den Jahren 2000 und 2004 wurden im Kosovo Häuser und ganze Romaviertel angesteckt und die Menschen massenhaft (erneut) in die Flucht getrieben. Frau B. musste dabei zusehen, wie das Häuschen ihrer Großmutter angezündet wurde und diese darin verbrannte. Sie erlitt schwere Traumatisierungen. Mit ihrem Mann und 3 KIndern flüchtete sie 2004 nach Deutschland. Ihre beiden jüngsten Kinder wurden 2006 und 2007 in Ahlen/ NRW geboren.
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